Buchmarketing für Anfänger

miri_blog-2

Fotos von Kristin Weinhold

Ich lese vor! Mit Publikum! Laut…Am Freitagabend!!!

Klar, dass ich krank wer­de. Die Migrä­ne lau­ert schon seit Mitt­wo­ch und am Frei­tag­nach­mit­tag steht fest, dass sie sich höch­stens mit einer 100mg-Tablet­te Suma­trip­t­an effi­zi­ent bekämp­fen lässt. Wet­ter, Müdig­keit und Auf­ge­regt-sein sind ein­fach nicht gut bei chro­ni­schen Kopf­schmer­zen und für schüch­ter­ne Auto­ren. Aber was muss, dass muss! Also las­se ich mein Mit­tag aus­fal­len und schlucke die bit­te­re Pil­le mit viel Was­ser, dann set­ze ich mich vor dem Büro irgend­wo auf eine Bank und lese halb­laut mei­nen Text. Fühlt sich nicht gut an. Ich bin nicht wit­zig genug. Und über­haupt.

Aber eine öffent­li­che Lesung ist nun mal der näch­ste Schritt in unse­rem Buch­mar­ke­ting­kon­zept. Sicht­bar­keit schaf­fen, mit der man dann wie­der eine Rück­kopp­lung zu den sozia­len Medi­en schaf­fen kann. So mei­ne Theo­rie und mein Plan. Also raus aus der Kom­fort­zo­ne und unter Leu­te und acht­ein­halb Minu­ten? Komm schon Mir­jam, stell dich nicht so an.

Also habe ich bis 19:00 Uhr mei­ne Hal­tung und mei­ne Kopf­schmer­zen in den Griff bekom­men und ste­he an der Bar des *sowie­so*. Ich bin erst kurz vor 21:00 Uhr dran, als Vor­letz­te von zehn Künst­le­rin­nen, die sin­gen, lesen und per­for­men. Es ist ziem­li­ch voll und ich bin sehr dur­stig. Ein Blick in die Kar­te ver­rät mir, dass Mix­ge­trän­ke nur „sel­ten da sind“. Also neh­me ich das. Ein Glas Rum-Cola. Ein Glas Ruhm-Cola. Naja, viel­leicht Semi-Ruhm-Cola.

Die Mädels, die vor mir auf der Büh­ne ste­hen, haben das alle schon öfter gemacht – sie sind groß­ar­tig. Sie ste­hen da vorn, als wäre es das Ein­fach­ste von der Welt. Die Stim­mung ist gut und es wird immer vol­ler. Das beru­higt mich nicht wirk­li­ch. Lei­se scher­ze ich mit mei­ner Frau, mei­nen Kin­dern und ihren Freun­den, die mit­ge­kom­men sind, um mir den Rücken zu decken. Viel­leicht wol­len sie mich auch ein wenig fei­ern. Ich möch­te sie immer­zu umar­men.

Nach einer Wei­le wird mir klar, dass ich da vor­ne nicht lesen kann. Es ist ein­fach zu dun­kel. Also mache ich mich auf den Weg um ein Licht zu besor­gen. Susan­ne – die als Frau für Öffent­lich­keits­ar­beit alles orga­ni­siert hat – orga­ni­siert mir auch eine klei­ne Stirn­lam­pe. Sieht bestimmt cool aus, wenn ich mir die umschnal­le.

Und dann bin ich dran. Die Lam­pe hängt am Mikro – auch gut so. Noch ein­mal tief durch­at­men und dann ein­fach rein in den „Zwei­ten Haupt­satz der Ther­mo­dy­na­mik“:

Ich lese lang­sam, ach­te auf Beto­nung und Laut­stär­ke und dar­auf, zwi­schen­durch immer mal wie­der Luft zu holen. Ich hab mich schlau gemacht, was man beim Vor­le­sen beach­ten muss. Aber die Frau in der ersten Rei­he guckt so kri­ti­sch. Schnell sen­ke ich den Blick wie­der auf mei­nen Text. Dann der erste Lacher. Gott­sei­d­ank.

Trotz­dem zit­tert mein Knie. Ich span­ne mei­nen Mus­kel und stem­me den Fuß gegen den Boden. Ich bin doch kein Zit­ter­aal. Das Zit­tern in mei­ner Stim­me bekom­me ich nicht so leicht weg. Was soll’s. Das habe ich vor­her gewusst. Die Leu­te amü­sie­ren sich tat­säch­li­ch. Ich ver­su­che aus­zu­ma­chen, was im Raum vor sich geht. Es ist still. Sie sehen mich an, hören mir zu. Mein Gesicht brennt, aber neben der Angst, die sich immer noch nicht ganz ver­krü­melt hat, spü­re ich jetzt auch ein biss­chen Stolz. Auf mei­nen Text. Auf mei­nen Mut. Auf mich.

Ich bin froh, als der Applaus ertönt und ich es geschafft habe. Es ist eben nicht so ein­fach, die Kom­fort­zo­ne ver­las­sen. Aber Spaß hat es irgend­wie auch gemacht. Was die Lesung für unser Buch­mar­ke­ting bringt, wird sich zei­gen. Ist mir jetzt auch egal. Ich bin ganz fürch­ter­li­ch stolz und glück­li­ch und allen dank­bar, die mir das ermög­licht haben. Ein Dan­ke also an mei­ne Fami­lie, an Dani, die die Mode­ra­ti­on gemacht hat und die genauso auf­ge­regt war, wie ich. An die Frau, die mir das Mikro ein­ge­stellt und das Bril­le­n­etui aus der Hand genom­men hat. Einen Dank an Susan­ne und all die ande­ren Frau­en vom *sowie­so*. Und viel­leicht: Auf ein Neu­es!

http://www.frauen-ev-sowieso.de/

Facebook
Google+
http://www.schreibkunst-kreativ.com/2016/10/04/buchmarketing-fuer-anfaenger/
Twitter
RSS

Ein Gedanke zu „Buchmarketing für Anfänger“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.